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Referendum: Briten gegen Verbleib in EU

Großbritannien wird nach über 40-jähriger Mitgliedschaft aus der Europäischen Union austreten. Beim gestrigen Referendum über den Verbleib Großbritanniens in der EU stimmten 51,9% Prozent der Wähler gegen eine weitere Mitgliedschaft. Der britische Premierminister David Cameron hat nach Veröffentlichung der Ergebnisse seinen Rücktritt angekündigt. 

In der EU sind noch für den Vormittag verschiedene Krisentreffen geplant. In Brüssel steht ein Treffen der Präsidenten der drei EU-Institutionen an, in Luxemburg wollen sich die Außenminister unter anderem von Deutschland und Frankreich über die Folgen beraten. Die Bank of England und die EZB sowie andere Zentralbanken sehen durch das Ergebnis des Referendums derzeit keine Systemkrise heraufziehen. Sie stehen aber bereit, um notfalls am Devisenmarkt einzugreifen. 

Weltweit reagierten führende Politiker mit Bestürzung auf das Votum der Briten. US-Präsident Barack Obama kündigte noch für Freitag Konsultationen mit Premierminister David Cameron an. Der Präsident des Europa-Parlaments Martin Schulz machte deutlich, dass es jetzt darauf ankomme, die verbleibenden 27 EU-Mitglieder zusammenzuhalten. Einen Domino-Effekt von EU-Ländern werde es nicht geben, erklärte er und kündigte an: "Die Scheidungsverhandlungen werden jetzt schnell beginnen."

Bezüglich der möglichen Auswirkungen dieses Wahlausgangs können derzeit nur Spekulationen angestellt werden. So gelten zunächst alle Gesetze und Verordnungen, die am Tag vor der Abstimmung in Kraft waren, weiter bis  die Austrittsbedingungen Großbritanniens beschlossen sind. Der Ausstiegsprozess wird ab Beginn der offiziellen Verhandlungen höchstwahrscheinlich zwei Jahre in Anspruch nehmen. 

Der Premierminister David Cameron sagte, er werde es seinem Nachfolger überlassen, zu entscheiden, wann Artikel 50 der Europäischen Verträge ausgelöst werde. Dieser Artikel legt fest, dass ein austrittswilliges Land zwei Jahre Zeit hat, seine künftigen Beziehungen zur EU zu regeln. Ist diese Zeit abgelaufen, ist das Land kein EU-Mitglied mehr, auch wenn die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen sind. Artikel 50 sieht zudem vor, dass ein Land seinen Austritt formal anzeigen muss - erst ab dann läuft die Zweijahresfrist. Wenn Cameron dies seinem Nachfolger überlässt, hat Großbritannien ein paar Monate länger Zeit für die Austrittsverhandlungen. 

Sicher ist nur, dass sich derzeit nur sehr schwer bzw. nicht abschätzen lässt, wie letztendlich der „Deal“ für Großbritannien und seine Unternehmen aussehen wird. Das britische Pfund und das Wirtschaftswachstum könnten in den kommenden Monaten schwächer tendieren und die Immobilienpreise in London unter Druck geraten. Die Bank of England (BoE) dürfte ihre Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft noch lockerer gestalten, was eine erste Zinsanhebung noch weiter in die Zukunft verschiebt. 

In der EU sind die Auswirkungen auf Wachstum und Investitionen höchstwahrscheinlich negativ, wobei Länder wie Irland aufgrund der hohen Abhängigkeit vom Handel mit Großbritannien am stärksten betroffen sind. Die Inflation könnte laut diesem Szenario in der Eurozone durchaus etwas geringer ausfallen, da der Euro gegenüber dem britischen Pfund tendenziell aufwerten dürfte.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat für Sonntag den 26. Juni ein Sondertreffen der Kommissionsspitze einberufen. Die Behörde muss nun die Formalitäten für den Brexit regeln. Experten und Juristen sollen Maßnahmen vorbereiten, die am Montagmorgen vorgestellt werden. Dann sollen Bürger und Finanzmärkte erfahren, wie es mit der EU ohne Großbritannien weitergehen soll. Einen möglichen Fahrplan sowie weitere Informationen zum Brexit-Austritt können Sie in diesem aktuellen Artikel auf Handelsblatt Online nachlesen.

Marktreaktionen:

Die Finanzmärkte in Asien reagierten bereits mit sehr deutlichen Abschlägen auf die unerwartete Entscheidung der Briten. Die Börsen in Europa haben ebenfalls zur Eröffnung mit starken Abschlägen reagiert, lösten sich dann aber wieder von ihren Tiefständen. Das Britische Pfund fiel gegenüber dem US-Dollar zeitweise um 10 Prozent auf den tiefsten Stand seit 1985. Gegenüber dem Euro betrug das Minus anfangs ca. 5 Prozent. 

Als Fazit kann festgehalten werden, dass der Ausgang des Referendums die Finanzmärkte zwar vorübergehend belasten dürfte, allerdings ist aus aktueller Sicht nicht zu erwarten, dass sich als Folge das unverändert moderat positive makroökonomische Umfeld nachhaltig eintrübt. Somit gilt es jetzt Ruhe zu bewahren und die Situation rational zu analysieren. 

Mögliche Auswirkungen des Wahlausgangs:  

  • Zunächst gelten alle Gesetze / Verordnungen die am Tag vor der Abstimmung in Kraft waren weiter bis die Austrittsbedingungen Großbritanniens beschlossen sind.
  • Sicher ist nur, dass sich derzeit nur sehr schwer bzw. nicht abschätzen lässt wie letztendlich der „Deal“ für Großbritannien und seine Unternehmen aussehen wird.
  • Britisches Pfund und Wirtschaftswachstum könnte in den kommenden Monaten schwächer tendieren und die Immobilienpreise in London unter Druck geraten.
  • Die Bank of England (BoE) dürfte ihre Geldpolitik zur Stützung der Wirtschaft noch lockerer gestalten, was eine erste Zinsanhebung noch weiter in die Zukunft verschiebt.
  • In der EU sind die Auswirkungen auf Wachstum und Investitionen höchstwahrscheinlich negativ, wobei Länder wie Irland aufgrund der hohen Abhängigkeit vom Handel mit Großbritannien am stärksten betroffen sind.
  • Die Inflation könnte laut diesem Szenario in der Eurozone durchaus etwas geringer ausfallen, da der Euro gegenüber dem britischen Pfund tendenziell aufwerten dürfte.
  • Die Bank of England und die EZB sowie andere Zentralbanken sehen keine Systemkrise und stehen bereit, um notfalls am Devisenmarkt einzugreifen.

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